Vorkommen der Kriebelmücke
Kriebelmücken leben überall dort, wo es sauberes, schnell fließendes Wasser gibt - in Deutschland, Österreich und der Schweiz also flächendeckend. Hauptsaison ist Mai bis September, Höhepunkt von Juni bis August. Klimaverschiebungen verlängern die Saison, lokale Schwerpunktgebiete sind die Mittelgebirgs- und Voralpenregionen.
1. Aktivitätskalender · wann sie aktiv sind
Saison · 12 Monate
Wann Kriebelmücken in Mitteleuropa aktiv sind
Im Winter überdauern die Tiere als Larve im Wasser, die adulten Mücken sterben mit den ersten kalten Nächten.
2. Tagesaktivität · wann sie schwärmen
Innerhalb des Tages
Wann sie schwärmen
Bei Wind über 10 km/h fliegen Kriebelmücken kaum, bei Regen praktisch gar nicht.
Innerhalb des Tages gibt es zwei Aktivitäts-Peaks: spätvormittags zwischen 10 und 12 Uhr und am frühen Abend zwischen 17 und 20 Uhr - jeweils bei warmem, schwülen und windstillen Wetter.
3. Lebensraum: was Kriebelmücken brauchen
Die Larven sind streng an sauerstoffreiches, schnell fließendes Wasser gebunden. Sie kleben sich mit hakigen Klebepolstern am Untergrund fest und filtern Schwebpartikel aus der Strömung. Typische Brutgewässer:
- Bäche mit Sohlbeschaffenheit aus Stein, Holz oder Wasserpflanzen
- Kleine Flüsse mit Strömung > 0,3 m/s
- Bewässerungsgräben mit Durchfluss
- In trockenen Regionen auch Ableitungen aus Kläranlagen oder Stauwehren
Was sie nicht brauchen: Gartenteiche, Regentonnen, Pfützen, stehende Tümpel. Wer einen "Mücken-Problem-Garten" hat und kein fließendes Wasser in der Nähe ist, hat in der Regel Stechmücken, nicht Kriebelmücken.
4. Verbreitung in DACH
Schwerpunktgebiete
Wo besonders viele vorkommen
Schematische Darstellung. Tatsächliche Verbreitung folgt den Fließgewässer-Systemen.
4.1 Deutschland
Flächendeckend, mit Schwerpunkten in den Mittelgebirgen (Schwarzwald, Harz, Eifel, Bayerischer Wald) und entlang der größeren Fluss-Systeme (Rhein, Donau, Elbe). Besonders bekannt: das Donaumoos und Teile Baden-Württembergs mit den schnell fließenden Schwarzwaldbächen. Auch im Münsterland und an den Voralpenflüssen treten Kriebelmücken regelmäßig in hoher Dichte auf.
4.2 Österreich
Vor allem an den Alpenflüssen und in den Voralpentälern. Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Kärnten sind klassische Vorkommensgebiete. Auch das Donautal nördlich von Linz ist betroffen.
4.3 Schweiz
Weit verbreitet vom Mittelland bis ins Hochgebirge. Schwerpunkte an Aare, Reuss, Rhone-System und in den Wassereinzugsgebieten der Voralpen. Im Wallis und Tessin sind sommerliche Hotspots dokumentiert.
5. Klimawandel und Verbreitung
Beobachtungen aus den letzten 15 Jahren zeigen zwei Trends:
- Längere Saison. In warmen Jahren sind Kriebelmücken bereits Ende April aktiv und bleiben bis Mitte Oktober.
- Verschiebung in höhere Lagen. Arten, die früher nur bis 800 m vorkamen, werden zunehmend auch über 1.200 m gefunden.
Eine flächige Zunahme der Gesamtpopulation ist nicht belegt - die Zahl hängt stark von der Wasserqualität der Bäche ab[1].
6. Wann du besonders aufpassen solltest
- Frühsommer (Mai-Juni): erste große Schlüpfphase, oft mit Massenauftreten in wenigen Tagen
- Nach Hochwasser: viele Larvenhabitate freigespült, drei Wochen später großer Schlupf
- Schwül-warme Tage ohne Wind: optimale Flugbedingungen
- Frühe Abendstunden am Bach: Hauptaktivität, hier am ehesten Schwärme
Häufige Fragen
- Gibt es Kriebelmücken auch in der Stadt?
Selten, aber möglich - wenn ein renaturierter Bach durchs Stadtgebiet läuft. Großstädte ohne offene Fließgewässer sind weitgehend frei.
- Wo gibt es in Deutschland besonders viele?
Donaumoos, Schwarzwald, Harz, Eifel, Bayerischer Wald, Münsterland.
- Wann ist die Saison vorbei?
Mit den ersten kühlen Nächten unter 10 Grad, meist Ende September bis Mitte Oktober.
- Werden Kriebelmücken durch den Klimawandel mehr?
Die Saison wird tendenziell länger, neue Höhenlagen werden besiedelt. Eine flächige Zunahme der Anzahl ist aber bisher nicht belegt.
Quellen
- Friedrich-Loeffler-Institut: Vektor-Atlas Deutschland. fli.de
- Umweltbundesamt: Gewässerqualität und Insekten. umweltbundesamt.de
- Universität Zürich: Verbreitungskarten Schweizer Insekten.
- Eurosurveillance: Vektor-Monitoring Europa. eurosurveillance.org