Kriebelmücken und Pferde

Diese Seite wurde zuletzt am 24. Juni 2026 bearbeitet. · Verfasser: Daniel Weihmann · Online seit 2010

Kriebelmücken sind in Deutschland der Hauptauslöser des Sommerekzems beim Pferd - einer allergischen Reaktion auf Speichelproteine, die in massiven Hautläsionen, Juckreiz und gestresstem Verhalten resultiert. Bester Schutz: Ekzemerdecke, gezieltes Repellent und Stallzeit in den Hauptschwärmphasen.

1. Warum Pferde besonders leiden

Pferde sind als große, warmblütige, im Freien lebende Tiere ideale Wirte für Kriebelmücken. Hinzu kommt: einige Pferdelinien (Islandpferde, Tinker, Friesen) sind genetisch besonders anfällig für eine allergische Reaktion auf Insektenspeichel[1]. Was beim einen Pferd nur juckende Quaddeln macht, führt beim anderen zum chronischen Sommerekzem.

2. Sommerekzem erkennen

Sommerekzem ist nicht heilbar, nur behandelbar. Wer einmal ein betroffenes Pferd hatte, muss jedes Jahr ab Anfang Mai aktiv schützen.

3. Drei Säulen für effektiven Pferde-Schutz

3.1 Ekzemerdecke

Eine eng anliegende, atmungsaktive Decke aus feinmaschigem Gewebe schützt den größten Teil des Körpers. Worauf achten:

Produktempfehlung in Vorbereitung. Konkrete Ekzemerdecke-Modelle ergänzen wir hier mit Testberichten.

3.2 Repellent speziell für Pferde

Auf den ungedeckten Körperpartien (Kopf, Ohren, Beine) wird ein zugelassenes Pferde-Repellent aufgetragen. Wirkstoffe wie Icaridin, Geraniol und permethrinhaltige Sprays sind gängig. Wichtig: nur Produkte verwenden, die für Pferde freigegeben sind - human-Repellent ist nicht automatisch tiergeeignet.

3.3 Stallzeit und Tagesplanung

4. Sommerekzem behandeln, wenn es schon da ist

  1. Tierarzt einbinden. Cortison-Salben, antiseptische Lösungen, ggf. orale Antihistaminika.
  2. Wundsalben wie Zinksalbe oder Ekzem-Salben auf offenen Stellen.
  3. Mähne und Schweif kurz halten - reduziert Scheuerverluste.
  4. Hyposensibilisierung: bei manchen Pferden mit Allergen-spezifischer Immuntherapie erfolgreich.

5. Was die Forschung sagt

Das Friedrich-Loeffler-Institut und mehrere veterinärmedizinische Hochschulen forschen seit Jahren am Sommerekzem. Bisherige Erkenntnisse: die Allergie ist genetisch teils vererbbar, neue molekulare Diagnostik kann Allergen-Profile erstellen, und es gibt laufende Studien zu Impfstoffen gegen die Kriebelmücken-Allergie. Marktreif ist davon (Stand 2026) noch nichts.

Häufige Fragen

Hilft Knoblauch im Pferdefutter?

Knoblauch in höheren Mengen kann bei Pferden Hämolyse verursachen. In pferdegerechten Dosen wirkt er nicht zuverlässig insektenabweisend.

Brauche ich eine Ekzemerdecke auch im Winter?

Nein. Kriebelmücken sind im Winter inaktiv.

Kann ich Sommerekzem heilen?

Heilen nicht, aber sehr gut managen. Konsequente Prophylaxe ab Saisonbeginn macht den größten Unterschied.

Welche Rassen sind besonders gefährdet?

Islandpferde (etwa ein Drittel der Importtiere reagiert), Tinker, Friesen und viele Robustpferde-Rassen.

Ist eine UV-Klebefalle im Stall sicher?

Ja, wenn klebebasiert (keine Hochspannungs-Falle). Außerhalb der Reichweite der Pferde an einer dunklen Wand aufhängen.

Quellen

  1. Friedrich-Loeffler-Institut: Forschung zum Sommerekzem. fli.de
  2. Bundesverband für Tiergesundheit: Empfehlungen zu Insektenrepellents für Pferde. bft-online.de